Seiten

23. März 2017

Geschaffen zur Kreativität [& ein Hallo vom Blog-Zuwachs]


Wozu bin ich geschaffen? - das versuche ich seit 2014 jährlich mit einer Gruppe Berufung-Suchender zu erforschen. Mein Job ist es, Menschen über 9 Monate mittels eines Kurses auf ihrer Entdeckungsreise hin zur eigenen Berufung zu begleiten. Das macht Spaß, zeigt die Vielfalt und Ergänzungsbedürftigkeit von uns Menschen und fordert auch mich als Mitarbeiterin immer wieder neu heraus, mich und meinen Weg zu hinterfragen.

Wer schreibt denn da?

Hallo, ich bin die Claudia. Neue Mitautorin auf diesem Blog. Ergänzung für Janine und Juli. Genauso begeistert für die Themen Glaube, Kreativität, einfaches Leben, Mutter- und Tochtersein wie die beiden. Wünsche mir mehr Ermutigung und Inspiration unter Frauen und lebendig gewordene Menschen, die vorbildhaft in ihrer Berufung wandeln. Lebe mit meinem Mann in Sachsen, habe mal Psychologie studiert, liebe das kreative Chaos und kriege ständig Besuch von neuen Ideen und Gedanken. Brauche aber Ergänzung, um diese umzusetzen. Deshalb bin ich hier gelandet – in einem Team mit zwei weiteren tollen Frauen, die sich gegenseitig unterstützen und an einem Projekt arbeiten wollen. Yeah, ich freue mich, nun Teil davon zu sein!

Und wie kommt’s, dass du nun hier bist?

Ich entdeckte also vor geraumer Zeit, dass ich zwar anderen helfe, in ihre Berufung zu kommen, selbst aber ein wenig auf der Strecke blieb. Gibt es da nicht noch unzählige Dinge, die du gern tust, die aber in den letzten Monaten, gar Jahren eingeschlafen sind? Das Ja auf diese Frage ließ mich nicht los. Mir wurde bewusst, dass es vor allem die kreativen Dinge waren, die ich nicht mehr praktizierte: Wann machte ich noch Musik? Wie lang wurde mein Bastelschrank nicht mehr geöffnet? Was war aus dem Wunsch Nähen zu lernen (und dem irgendwo seit Zeiten herumliegenden Gutschein für einen Anfänger-Nähkurs) geworden? Warum lag das Schreiben brach, zu dem ich doch so oft zu Schulzeiten von diversen Lehrern ermutigt wurde und es auch immer wieder mit Lust und Laune tat, wenn ich es denn einmal tat?

Und als ich dann eines Tages mal wieder reflektierte, was denn eigentlich das Buch der Bücher, die Bibel, uns zu unserer Berufung sagt und ich mir Gedanken machte, wozu Gott uns eigentlich geschaffen hat, blieb ich am Schöpfungsbericht mit folgender Stelle hängen:

„Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde - nach dem Bilde Gottes schuf er ihn.“ (1. Mo 1,27)

Gottesebenbildlichkeit also. Wow. Und welches Bild von Gott wird uns als aller erstes gemalt? Er ist Schöpfer, ein Kreativling. Am englischen Wort „Creator“ wird das noch deutlicher, da lässt sich doch schnell das Wort Kreativität ableiten. Gott ist also der Kreative, noch bevor wir mehr über Ihn erfahren, lernen wir genau das über Ihn. Und wenn wir in Seinem Bilde geschaffen sind, sind wir folglich auch kleine Schöpfer. Wir sind zur Kreativität geschaffen. Doch was heißt das?

„Von Kreativität kann man in einem zweifachen Sinne sprechen: Kreativität kann heißen, dass etwas Neues geschaffen wird, etwas, das andere sehen oder hören können, etwa ein Gemälde, eine Skulptur, eine Sinfonie, ein Gedicht, ein Roman usw. Unter Kreativität versteht man aber auch die Haltung, aus der heraus erst jene Schöpfungen entstehen, von denen eben gesprochen wurde, und die vorhanden sein kann, ohne dass in der Welt der Dinge etwas Neues geschaffen wird. (…) Mir geht es um die kreative Haltung, um den kreativen Charakterzug. Und hier meint Kreativität die Fähigkeit, zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ ― (1959c: Der kreative Mensch, in: Erich-Fromm-Gesamtausgabe (GA) Band IX, S. 399.)

Wie oft betrachten wir kreative Aktivitäten nicht als besonders wichtig in unserem Leben? Kann es sein, dass vielen Menschen - sogar denen, die sich selbst als kreativ bezeichnen würden - die Kreativität abhandenkommt, weil uns vorgegaukelt wird, es gäbe Wichtigeres? Oder es wird uns vorgemacht, es gibt überhaupt schon etwas. Denn warum sollte man schöpferisch sein, etwas erschaffen wollen, etwas Neues kreieren, wenn es denn schon alles gibt? Unsere Konsumgesellschaft redet uns das ein: Es gibt alles! Greif nur zu. Und so können wir getrost unseren Kopf und die Kreativität ausschalten. Sie verkümmert.

Aber meine Überzeugung und Erfahrung ist, dass Menschen aufblühen und lebendig werden, wenn sie in dem wandeln, wozu sie geschaffen wurden. Und meiner Meinung nach gehört dazu eben auch die Kreativität. Jetzt zucken womöglich die zusammen, die sich noch nie lebendig gefühlt haben, wenn sie mal irgendwo basteln mussten oder bei denen sogar die besten Freunde den Raum verlassen, wenn sie versuchen beim Singen den Ton oder mit einem Instrument den Takt zu halten. Es gibt immer Menschen, die von sich behaupten, nicht kreativ zu sein. Gehörst du dazu, dann wirf deine stereotypen Vorstellungen von Kreativität über Bord, lies noch einmal das Zitat oben von Erich Fromm mit seiner Definition für eine kreative Haltung und frage dich: Wo bin ich begabt und kann einen Beitrag leisten, den die Welt, meine Mitmenschen brauchen? Wo kann ich mit meinem Stil einer Not begegnen, helfen, Antworten geben?

Ich persönlich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich gern in Schriftform meinen Senf beitragen will. Texte kreieren, die anderen weiterhelfen, ermutigen, Impulse geben, inspirieren. Welche wunderbare Möglichkeit bietet da heute das Internet und Bloggen. Da ich aber nicht zum Einzelkämpfer geschaffen bin (ein Thema, das ich gern in einem weiteren Blogbeitrag aufgreifen werde) und keinen eigenen Blog gründen wollte, ergriff ich die Gelegenheit und schrieb Juli, eine sehr liebe Kollegin von mir, an, ob ich mich denn auf dem Blog von ihr und ihrer Freundin einklinken könnte.

Nun bin ich hier - wie ihr seht! Ich wünsche mir und euch Lesern, dass es ein Gewinn für beide Seiten wird. Auf dass wir Frauen (und auch Männer, falls es solche hierhin verschlägt) mehr und mehr in das Hineinkommen, was Gott sich von Grund auf für uns gedacht hat und somit aufblühen und ein Segen für unsere Umgebung werden! Das wünsche ich jedem einzelnen.

23. Februar 2017

Erfahrung Fehlgeburt: Wie wir getragen wurden und was uns wirklich geholfen hat

Lange habe ich überlegt, ob ich über meine Erfahrung überhaupt schreiben soll. Ist es vielleicht zu persönlich, will das überhaupt jemand lesen? Doch mittlerweile weiß ich von so vielen Freundinnen, die das gleiche bereits durchlebt haben, und ich finde es so traurig, dass es doch irgendwie jeder mit sich selbst (und dem Partner) ausmachen muss. Mir hilft es sehr, zu wissen, dass ich nicht alleine bin mit dieser schmerzlichen Erfahrung, und deswegen möchte ich euch heute von meinem Erlebnis erzählen. Bitte verzeiht, dass ich heute keine schönen Bilder mitgebracht habe, aber vielleicht lest ihr den (langen) persönlichen Text ja auch so. Ich hoffe, dass er helfen kann oder Anstoß gibt, selbst darüber zu sprechen, es gibt keinen Grund sich dafür zu verstecken oder zu schämen.

Nach unserer Hochzeit vor fast fünf Jahren wussten wir bereits, dass wir gerne bald Eltern werden wollten. Es dauerte nicht lange, da hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Wir freuten uns riesig. Natürlich waren da auch Ängste, wie unsere Umwelt reagieren würde, schließlich waren wir beide noch Studenten, aber wir waren sicher, dass wir es schaffen würden.

Damals mit 22 machte ich mir noch keine großen Gedanken darüber, ob etwas schief gehen konnte, schließlich war ich ja noch jung. Ich zählte die Wochen, bis ich es offiziell erzählen konnte - ich hatte gehört, dass man normalerweise bis nach der 12. Woche wartet wegen des Risikos einer Fehlgeburt. So ganz ernst nahm ich das nicht, und so erzählten wir es bereits ein paar engen Freunden. Bis ich dann eine Predigt hörte, in der der Pastor erzählte, dass sie in der zwölften Woche bei einer normalen Vorsorgeuntersuchung erfuhren, dass sie ihr Kind verloren hatten. Und in mir eine innere Gewissheit aufkam, dass wir das auch zu bewältigen haben würden. Ich wollte den Gedanken nicht wahrhaben, doch die Gewissheit blieb. 

Bei der Untersuchung in der 10. SSW war noch alles in Ordnung, lediglich ein bisschen klein war unser Kind immer. Etwa eine Woche weniger, als wir eigentlich waren, aber das irritierte mich zunächst nicht weiter. In der elften Woche dann bekam ich eine schwache Blutung. Es war ein Freitag, direkt vor Weihnachten. Ich rief beim Frauenarzt an und bekam sofort einen Termin. Mein Mann begleitete mich, wir machten uns beide auf das Schlimmste gefasst. Auf dem Weg zum Arzt sang ich in Gedanken immer wieder die deutsche Version von "Blessed be your name" von Matt Redman. Vor allem die Zeilen "Egal, was du mir gibst, egal, was du mir nimmst, du bist und bleibst mein Gott, nur dir gehört mein Lob" trugen mich, denn ich wollte Gott in jeder Lebenslage mein Lob geben können, nicht nur in den guten Zeiten.

Die Minuten im Warteraum schienen zu Stunden zu werden, ich wollte einfach nur wissen, was nun ist. Als dann endlich, endlich der Ultraschall gemacht wurde, sahen wir sofort den fehlenden Herzschlag. Unser Kind sah auch nicht mehr aus wie noch vor einer Woche, Beine und Arme kaum auszumachen. Ich betete innerlich, Gott möge uns unser Kind doch zurückgeben, und sein Herz wieder schlagen lassen, doch ich wusste irgendwie, dass das nicht passieren würde.

Wir kämpften mit den Tränen. Die Frauenärztin erklärte mir sehr einfühlsam, dass es in einem so weit fortgeschrittenen Stadium nicht ratsam wäre, zu warten, bis der Körper das Kind selbst abstoßen würde, es müsste eine Ausschabung vorgenommen werden. Ob ich das lieber heute oder morgen machen wolle, fragte sie mich. Lieber heute, sagte ich nach kurzem Nachdenken. Sie rief für uns im Krankenhaus an und gab uns für denselben Abend einen Termin.

Auf dem Weg nach Hause überwältigte mich die Traurigkeit. Ich hatte gerade den Gedanken gefunden, bald Mutter werden zu dürfen, da musste ich ihn auch schon wieder loslassen. Mein Mann war nicht weniger traurig, es half mir sehr, das zu sehen. 

Ein befreundetes Ehepaar fuhr uns ins Krankenhaus, sie standen uns die ganze Zeit zur Seite, wenn wir sie brauchten. Die Untersuchungen von den Ärzten waren okay, der Gynäkologe bei der Voruntersuchung zwar nicht der Hit (er nahm meine Kreislaufprobleme beim Blutabnehmen erst ernst, als mir richtig schwarz vor Augen wurde). Allerdings hatte ich nie das Gefühl, einfach nur eine Nummer zu sein, oder dass alles heruntergespielt werden würde nach dem Motto "Passiert vielen, dann klappt es bestimmt beim nächsten Mal". Die Schwestern, die sich dann um meinen Blutdruck kümmerten und mir sofort ein Bett vors Untersuchungszimmer schoben, um meine Beine hochzulagern und mich an einen Tropf zu hängen, waren sympathisch-scherzhaft aufgelegt ("Mit dem Blutdruck wäre ich auch umgekippt", sagte eine augenzwinkernd). Das half mir etwas, vorübergehend auf andere Gedanken zu kommen.

Ich bekam ein Zimmer für mich allein. Nach kurzer Zeit kamen dann aber auch schon die Ärzte, um mich auf den OP vorzubereiten. Das Thema Fehlgeburt war eigentlich die ganze Zeit nicht angesprochen worden, sie klärten mich sachlich-freundlich über den Eingriff auf, wie die Narkose angewandt würde usw. An alles erinnere ich mich nicht mehr, nur dass auch sie scherzten, mit mir und untereinander, jedes Mal aber auf eine sehr leichte, ablenkende Weise. Auch das half mir, erstmal loszulassen und das Vertrauen zu haben, dass sie ihre Sache schon gut machen würden.

Statt einer Dreiviertelstunde brauchte ich zwei Stunden, bis ich wieder richtig wach war. Ich war so müde, dass ich im Aufwachraum nochmal einschlief. Als ich dann auf dem Zimmer war, wurde mir gesagt, dass ich selbst entscheiden dürfe, ob ich gehen oder über Nacht bleiben wolle, vorausgesetzt mein Kreislauf mache mit und ich würde es schaffen, mich alleine anzuziehen. Nach einiger Zeit war mein Kreislauf wieder so in Ordnung, dass wir gehen konnten. Unsere guten Freunde hatten meinem Mann Gesellschaft geleistet und uns mit Essen versorgt, und brachten uns nun wieder nach Hause. Für ihre Hilfe war und bin ich ihnen so dankbar.

Die ersten Tage darauf waren furchtbar. Selbst mit Schmerzmitteln waren die Schmerzen kaum auszuhalten, vor allem, wenn ich Husten musste oder sonst den Bauch anspannte. Auch war der Gedanke, wieder allein zu sein in meinem Körper, waren anfangs unerträglich. Ich fühlte mich so seltsam einsam. Gott sei Dank hatten wir in den ersten Tagen viel Gesellschaft von Freunden, denen wir uns anvertrauen konnten, die uns bei der Trauerbewältigung halfen und die teilweise ähnliches erleben mussten und uns mit ihren Erfahrungen Beistand leisteten. Es war schön, nicht allein zu sein. Auch meine Mutter stand mir in dieser Zeit näher als je zuvor, ich bin so froh, mich ihr anvertraut zu haben.

Als dann die Zeit verstrich, merkte ich, wie ich zwar trauerte, aber nicht verzweifelte. Gott hielt mein Herz zusammen, damit es nicht zerbrach. Wir sprachen mit immer mehr Freunden offen über unsere Erlebnisse. Ein guter Freund fragte uns, ob wir denn einen Namen gehabt hätten. Mein Mann gab unserem Kind dann einen Namen, das half auch sehr. In unserer Gemeinde und im Bekanntenkreis waren viele schwangere Frauen, und ich betete inständig, dass Gott mein Herz vor Missgunst und Neid bewahren würde. Tatsächlich wandelte er meine Trauer und Wut in Freude über jedes Kind, dass bald in unserer Mitte sein würde.
Wir wollten es ganz Gott überlassen, uns den richtigen Zeitpunkt für einen neuen Versuch zu zeigen. Ob das nun erst in einigen Jahren oder schon bald sein würde, legten wir ganz in seine Hände. Viele Menschen beteten intensiv für uns. Als es dann Frühling wurde, geschah etwas sehr Erstaunliches. Zu unserer Hochzeit, die nun schon über ein halbes Jahr zurücklag, wurden einige Heliumballons mit Postkarten abgeschickt, an uns adressiert. Jeder Gast sollte damals einen Gutschein für uns ausfüllen und uns etwas zu unserer Hochzeit wünschen. Es kamen einige Karten bis zum Winter an, danach rechneten wir durch Schnee und Regen nicht mehr damit und hatten sie schon quasi vergessen.

Dann erreichte uns aber doch noch eine Karte. Die Finder legten einen Brief dazu, in dem sie uns von ihrer halsbrecherischen Postkarten-Rettungsaktion berichteten. Der Ballon hing in einem Baum, hoch über einem Fluss. Am Ende hatten sie nach mehreren Versuchen den Ballon über Räuberleiter oder ähnlich Waghalsiges aus den Ästen gefischt. Sie wünschten uns alles Gute. Als wir uns dann die Postkarte ansahen, durften wir Folgendes lesen als Wunsch für uns:

"Seid fruchtbar und mehret euch!"

Deutlicher ging es ja wohl nicht. Und Gott schenkte uns wirklich eine gute Schwangerschaft, eine nicht einfache, aber schöne Geburt, aus der wieder eine neue Freundschaft entstanden ist mit der Hebamme, tolle Menschen im Geburtsvorbereitungskurs, die ich auch heute noch sehr schätze (auch wenn ich viel zu selten dazu komme, mich zu melden). Und er versorgte uns mit allem, was wir brauchten für unser Kind, wir hatten mehr als genug. 

Ja, auch während dieser Bilderbuchschwangerschaft hatte ich zwischendurch Angst, ob alles gut gehen würde. Und auch in der danach. Aber Gott hat mir eine sehr wichtige Waffe geschenkt, die mir half und hilft, jede Angst wirksam abzuwehren. Sein Wort. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich diese Verse entdecken durfte, aber sie haben mich seither fest gegründet:

Es soll keine Frau in deinem Lande eine Fehlgeburt haben oder unfruchtbar sein, und ich will dich alt werden lassen (2. Mose 23,26)

Es war nicht immer leicht, aber am Ende habe ich immer die Angst mit der Hoffnung besiegen dürfen. Und ich weiß, dass es nicht Gottes Wille ist, dass wir unsere Kinder nicht in den Armen halten dürfen, und dass er hinter uns steht.




Und heute?

Mittlerweile weiß ich, dass ich mit der Erfahrung einer Fehlgeburt nicht allein bin, bei weitem nicht. Je mehr ich von uns erzählt habe, desto mehr Freunde erzählten davon, so etwas auch durchgemacht zu haben. Es ist auch einfach gar nicht so selten. Eine Freundin erzählte mir damals, dass manchmal, wenn sie nicht damit rechnet, die Trauer wieder heraufkommt und sie wieder mit voller Wucht trifft. Eine andere sagte, sie habe ein Jahr gebraucht, um zurecht zu kommen, und auch nach dem Jahr ging es ihr noch nicht wirklich gut. Mittlerweile haben viele von ihnen Kinder bekommen, manche nicht.

Ich kann keine pauschale Antwort darüber geben, was wirklich hilft in einer solchen Situation, oder wie lange die Trauerbewältigung dauert. Mir hat es sehr geholfen, zu wissen, dass Gott uns nicht erst sieht, wenn wir geboren sind, sondern schon lange vorher, und auch einen Plan mit uns hat, wenn wir nie das Licht der Welt erblicken. 

Eines kann ich allerdings mit Gewissheit sagen. Beistand von guten Freunden war ein ganz wichtiger Bestandteil davon, nicht ins Bodenlose zu fallen. Freunde, die einen versorgen, wenn man gerade nicht an kochen und einkaufen denken will oder mit Schmerzen im Bett liegt, Freunde, die einem ein offenes Ohr schenken, zeigen, dass sie da sind, Freunde, die von ihren Erlebnissen erzählen, wenn sie dasselbe durchmachen mussten.




Was mir nicht geholfen hat bzw. hätte:

"Na ja, klappt vielleicht beim nächsten Mal." Kein Kind kann das andere ersetzen, der andere Mensch fehlt einfach. Es geht auch darum, in die Zukunft zu schauen, ja, aber erstmal darum, um das verstorbene Kind zu trauern und sich an den Gedanken zu gewöhnen, vorerst nicht (wieder) Mutter zu werden.

"Vielleicht hätte es ja eine Behinderung gehabt." Diese Aussage hat mich am meisten geschockt, Wir hätten ein behindertes Kind genauso liebevoll aufgenommen und gewollt wie ein gesundes Kind. Es war geliebt, von Anfang an, egal ob alles am rechten Fleck sitzt, es war unser Kind.

Solche oder ähnliche Kommentare entstehen manchmal einfach aus Unbeholfenheit und Überforderung, aber wenn euch nichts einfällt, fragt einfach, wie es den Betroffenen geht, geht auf sie ein, fragt, wie ihr helfen könnt, und wenn ihr nicht weiter wisst, sagt auch das ganz offen. Wir wussten damals ja selbst nicht, wie wir unsere Gedanken sortieren sollten, das erwartet auch niemand von einem Beistehenden. Nur da sein, eine Schulter zum Anlehnen, Taschentücher zum (gemeinsamen) Weinen, Zeit, ein leckeres Essen, es gibt viel, was man tun kann, ohne Ratschläge oder Trost verbal verteilen zu müssen, die vielleicht doch nicht der Absicht genügen.

Ich muss sagen, mir gehen Filme und Berichte über Fehlgeburten, Abtreibungen und verstorbene Kinder immer noch sehr nahe, aber das hat vielleicht mehr mit meinem Charakter als mit der Fehlgeburt an sich zu tun. Mir macht es Hoffnung, dass wir eines Tages einen Menschen treffen dürfen, der irgendwie zu uns gehört, ganz sicher aber zu Gott. Ich glaube, dass wir mittlerweile gut zurecht kommen und die Trauer bewältigen konnten. Ich kann an unser Kind denken, ohne zu weinen, meistens jedenfalls. Mich darauf freuen, es irgendwann zu sehen. Doch ganz wichtig ist es, zu wissen, dass zwar schlimme Dinge in dieser Welt geschehen, aber dass Gott uns nicht allein lässt, uns hindurch trägt und wieder ins Licht führt, wenn auch manchmal nicht so, wie wir uns das vorstellen.

Ich bin dankbar für unsere beiden Mädchen und den kleinen Jungen, der bald aus meinem Bauch in unsere Mitte kommt. Vielleicht noch mehr, als ich ohne die Fehlgeburt gewesen wäre. Gott gebraucht alles zu unserem Besten (vgl. Römer 8, 28.), das durfte ich hautnah erfahren. Der Verlust auf der einen Seite und die neu gewonnenen, gefestigten Beziehungen zu unseren Freunden und zu meiner Mama auf der anderen Seite, weil wir offen über alles reden durften und uns viel anvertraut wurde. Auf Gottes Wort will ich mich stellen, egal was die Umstände bringen. Und auch da helfen Menschen, die das schon vor einem selbst getan haben, als Vorbild.


5. Dezember 2016

11 Tipps für mehr Konsum! {Oder: Wie du noch weniger von deinem hart verdienten Geld übrig hast...}

Lange, lange ist er her, der letzte Blogeintrag. Das war keine geplante Blogpause, irgendwie habe ich einfach lange gebraucht, um im Leben von zwei mittlerweile Kleinkindern anzukommen. Viel gelernt, viel losgelassen, viel umgeworfen habe ich in der Zeit, davon werde ich bei Gelegenheit bestimmt noch das eine oder andere berichten. Mittlerweile habe ich aber endlich das Gefühl, angekommen zu sein und dass mich eine Abweichung vom Normalzustand (passiert ja ab und an) in kleinerem oder größerem Ausmaß nicht so schnell aus der Ruhe bringen kann.

Zum Wiedereinstieg ein etwas ironischer Artikel zum Thema Konsum, passend zur Weihnachtsshoppingzeit. Wir versuchen in diesem Jahr, uns nicht von allen Angeboten und Tricks der Verkäufer verführen zu lassen. Weil einfach nicht wirklich viel Geld da ist, wenn man zu viert von einem Einkommen lebt. Auch wenn ich wirklich, wirklich gerne ein bisschen Weihnachtsdeko fürs Fenster gehabt hätte, aber es ist eben gerade nicht drin. Vielleicht hilft es ja auch dem einen oder anderen, seine Antriebsgründe zu überdenken und am Ende des Jahres vielleicht doch noch den einen oder anderen Euro übrig zu haben für das, wofür wir sonst so oft kein Geld mehr haben. Bedürftige zum Beispiel, Freunde in Notsituationen, echte Nettigkeiten oder einfach zum Sparen für schöne Zeiten in der Zukunft und ein bisschen weniger Geldsorgen.



1. Betreibe möglichst viel Online-Shopping (und lass dir vom Shop sagen, was du noch brauchst)

Online-Shopping ist so schön einfach. Abends wenn die Kinder schlafen oder auch zwischendurch lässt sich völlig stressfrei nach Dingen suchen, die ich gerne hätte. Und wenn sie mir nicht gefallen, schicke ich sie einfach wieder zurück. Okay, mittlerweile muss ich selbst die Kosten der Rücksendung tragen, soweit ich weiß, aber die Zeit, die ich sonst in der Stadt verbracht hätte, um von Laden zu Laden zu rennen, das ist das Geld auf jeden Fall wert. Und die Auswahl, riesig! Praktischerweise sagt mir der Onlineshop auch noch, was andere Kunden sich angesehen haben, was die Bestseller aus der Kategorie sind, und was vielleicht auch noch meinem Geschmack entspricht. Er erinnert sich sogar noch daran, wenn ich die Seite bereits wieder verlassen habe und woanders surfe. Stets kann ich in den Werbeanzeigen an mich angepasste Angebote sehen und direkt darauf reagieren. Wenn ich mir also noch ein bisschen Bedenkzeit (wie überflüssig...) gelassen habe, bringt mich spätestens diese Anzeige wieder zurück, damit ich endlich einkaufen kann. Wie schön :-)  

2. Für jeden mindestens ein Weihnachtsgeschenk

Weihnachten steht an und damit auch die zu erfüllenden Wünsche der Verwandten und Freunde. Die Vielfalt an Produkten macht es ja auch möglich, jedem einen Wunsch zu erfüllen, den er vielleicht hat! Und wenn nicht, finde ich in der Rubrik "Für die, die schon alles haben" auch noch etwas Unnützes, was der Person zeigt, dass ich an sie gedacht habe. Nein, ich schenke nicht aus Zwang! Nein, aus Liebe. Okay, vielleicht ein bisschen, weil ich glaube, jeder hätte einen Anspruch auf ein Geschenk. Ist ja schließlich Tradition. Also, mal nachrechnen: Zwei Kinder, Ehemann, Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, Geschwister, alle, die wir um Weihnachten herum sehen, dann noch die Kinder, die um Weihnachten herum Geburtstag haben, vielleicht noch die eine oder andere Freundin... Mindestens 20 Geschenke also, und die Kinder bekommen jeweils natürlich mehr als ein Geschenk, ist ja klar. Was sollen sie denn denken, wenn die anderen Kinder um sie herum mehr bekommen? Dass ich sie weniger lieb habe? Soweit soll es erstmal kommen!

3. Erfülle dir selbst auch einen Wunsch, oder zwei, oder drei...

Nachdem ich ja nun allen einen Wunsch erfüllt habe, darf ich selbst natürlich nicht zu kurz kommen. Ich hätte gern ein neues Kleid, passende Schuhe, eine Tasche, Make-Up könnte auch mal wieder neues her, und vielleicht noch ein bisschen Schmuck dazu. Mein Parfum ist auch wieder fast leer, das kann ich gleich mitbesorgen. Und wenn ich beim Shoppen noch irgendwas Schönes sehe, greife ich zu, wer weiß, wann ich das nächste Mal dazu komme. Ich gönn mir ja sonst nichts. Ach, in die Buchhandlung gehe ich auch nochmal, natürlich nur zum Stöbern. Vielleicht finde ich ja das Buch, von dem ich bisher nicht wusste, dass ich es brauche, ohne das ich aber bestimmt nie, nie, nie wieder glücklich werden kann. Was mit den Dingen ist, die ich mir bereits vorher gekauft habe? Ach, Schnee von gestern.

4. Gehe täglich einkaufen

Auch gut für die deutsche Wirtschaft ist es, jeden Tag einkaufen zu gehen. Selbst mit Einkaufszettel finde ich bestimmt etwas, auf dass ich heute besonders Lust habe. Ein bisschen Aufschnitt, ein paar Brötchen, vielleicht noch eine Zeitschrift, nehme ich ja sonst auch nicht mit. Und wenn nicht ich etwas Zusätzliches mitnehme, dann bestimmt die Kinder. Spätestens an der Kasse. Ach und wie ist das süß, wenn sie anfangen mitzuhelfen beim Einkaufen. Dann lasse ich sie eben noch etwas kaufen, was sie gerne hätten. Für das Erfolgserlebnis. Und das darf auch täglich sein, ich gehe ja schließlich auch täglich einkaufen.

5. Belohne dich mit Shopping

Nach einer anstrengenden Zeit tut mir ein Shoppingtag so richtig gut. Am besten mit einem ausgiebigen Cafébesuch und richtig vollen großen Tüten mit neuen Klamotten und Krimskrams und Deko, eben allem mit dem ich mich wohler fühle und glücklicher bin. Das Gefühl hält dann auch mindestens ein paar Tage an, bis ich wieder mehr arbeiten muss, das Geld will ja schließlich verdient werden. Nein, Hamsterrad ist was anderes. Außerdem steht ja dann bald der nächste Shoppingtag an, auf den ich mich jetzt schon freue!

6. Kaufe stets billig und mach jeden Trend mit

Wenn ich einkaufen gehe, dann gehe ich stets in die Läden, die die schönsten Sachen für die niedrigsten Preise anbieten. Win-Win sozusagen. Wieso sollte ich auch mehr bezahlen? Es ist ja häufig so, dass die teureren Sachen auch nicht länger halten. Also kann ich auch billig kaufen. Ach, es gibt auch noch gute Qualität? Mir egal, ich trage die Sachen eh nur bis zum nächsten Trend, und wenn ich die gebrauchte Kleidung dann zurückbringe, bekomme ich dafür sogar noch einen Einkaufsgutschein. Wie wundervoll! Ja, ich habe auch von den schlechten Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern gehört, schlimm schlimm. Aber es ist alles so undurchsichtig, und ich als Einzelne kann da sowieso nichts ausrichten. Dann kaufe ich lieber so, dass ich selbst den größten Vorteil draus ziehen kann. Und wenn ich weniger für ein Teil zahle, kann ich mir Teile kaufen :-)

7. Überlege nicht lange

Das habe ich oben schon einmal kurz erwähnt. Das Leben ist so kurz, was will ich da erstmal Zeit verschwenden und lange über einen Einkauf nachdenken? Es ist ja auch zu verlockend, wenn überall so schöne Sachen stehen, die ich eigentlich haben möchte. Wer weiß, wann ich das nächste Mal zum Möbelschweden komme? Und ob es den Schrank oder das Dekoelement noch gibt? Das Programm wechselt so schnell! Ich kaufe lieber direkt und mache mir hinterher Gedanken, wo ich es hinstelle. Zur Not habe ich ja auch noch das Umtauschrecht, davon mache ich aber nie Gebrauch...

8. Zahle niemals bar und setze dir kein monatliches Budget

Wozu gibt es schließlich EC-Karten und Kreditkarten? Ich kann mittlerweile fast überall damit bezahlen, brauche keine Rennerei zum Bankautomaten. Wie, Überblick behalten? Ich sehe doch stets im Nachhinein auf dem Kontoauszug, ob ich mir den Einkauf leisten konnte oder nicht. Zur Not am Monatsende. Dann kann ich immer noch für den nächsten Kauf die Handbremse ziehen, wenn es unbedingt nötig ist. Aber neuer Monat, neues Glück!

9. Vergiss Einkaufszettel und Wochenmenüpläne

Total aufwändig, immer aufschreiben zu müssen, was ich brauche. Wenn mir was einfällt, gehe ich halt täglich einkaufen (s.o.). Wer kann sich denn auch Gedanken machen, was er die nächsten Tage braucht! Dadurch Geldsparen und weniger einkaufen? Weniger wegschmeißen, was wir nicht schaffen zu verbrauchen? Quatsch, glaub ich nicht.

10. Vergleiche dich mit dem, was andere haben und kaufe immer das Neueste

Oh, wie wunderschön die neue Patchwork-Serie ist. Davon brauche ich mindestens eine Jelly Roll. Wenn es die nicht gibt, dann ein Fat-Quarter-Paket. Sind ja nur mindestens 50 Euro. Aber was für schöne Sachen ich daraus vielleicht irgendwann einmal machen kann. Traumhaft! Meine Nachbarin kauft schließlich auch ständig neue Stoffe. Und die andere Freundin hat schon wieder eine so schöne neue Haarfarbe, die muss ich auch mal ausprobieren. Neue Klamotten müssen auch sein, sonst fühle ich mich neben den anderen irgendwann noch wie aus dem letzten Jahrhundert. Wie rückständig! Ach ja, und das neueste Smartphone muss es auch sein, sonst bin ich nicht up-to-date. Das hat ja sogar mein dummer Arbeitkollege, da will ich in nichts zurückstehen. Das alte können dann die Kinder zum Spielen haben... die brauchen übrigens auch neue schöne Kleidchen, sie sollen sich zum Fest ja nicht underdressed fühlen.

11. Wichtigste Regel: Kaufe von allem mehr, als du brauchst!

Die Socken sind im Angebot? Prima, nehme ich gleich ein paar mehr mit, gehen schließlich schnell kaputt oder die Waschmaschine verschluckt sie. Ich kann mich nicht entscheiden, in welcher Farbe ich das Kleid mitnehmen will? Ach, zur Not beide. Ich finde schon noch einen Anlass zum Tragen einer Abendgarderobe. Und die neue Geschirrserie beim Möbelschwerden nehme ich auch gleich mit, die ist soooo schön. Schuhe kann man auch immer gebrauchen, Bücher zum Einstaubenlassen ebenfalls, sehen ja auch schön aus, volle Bücherregale. Über Krimskrams vom Weihnachtsmarkt freut sich auch jeder, und ach, riecht der neue Duschgelduft gut, da lasse ich die fünf anderen erstmal im Schrank. Wovon ich noch gerne viel kaufe? Deko, Kochbücher, Spielzeug für die Kinder, Süßigkeiten, man weiß ja schließlich nie, ob man es nicht doch braucht. 

Woher ich das Geld für alles bekomme? Kein Problem, ich zahle in Raten...
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...